{"id":57135,"date":"2026-06-15T17:26:59","date_gmt":"2026-06-15T15:26:59","guid":{"rendered":"https:\/\/biooekonomie.uni-greifswald.de\/docs\/allgemeine-informationen-zum-leitfaden\/nachhaltigkeit-von-wertschoepfungssystemen-in-der-biooekonomie\/"},"modified":"2026-06-17T18:43:34","modified_gmt":"2026-06-17T16:43:34","slug":"nachhaltigkeit-von-wertschoepfungssystemen-in-der-biooekonomie","status":"publish","type":"docs","link":"https:\/\/biooekonomie.uni-greifswald.de\/en\/docs\/allgemeine-informationen-zum-leitfaden\/nachhaltigkeit-von-wertschoepfungssystemen-in-der-biooekonomie\/","title":{"rendered":"Nachhaltigkeit von Wertsch\u00f6pfungssystemen in der Bio\u00f6konomie"},"content":{"rendered":"<p>Der Wirtschaftsstandort Deutschland steht unter dem Einfluss multipler Krisen. Insbesondere durch die Klimakrise und volatile fossile Lieferketten gewinnen lokal verf\u00fcgbare nachwachsende Ressourcen als Rohstoffbasis zunehmend an Bedeutung, um hierauf aufbauend nachhaltige und krisenfeste Wertsch\u00f6pfungssysteme zu etablieren.<\/p>\n<p>An dieser Stelle setzt die Bio\u00f6konomie als branchen\u00fcbergreifende Wirtschaftsform an. Laut der Bundesregierung \u201eumfasst die Bio\u00f6konomie die Erzeugung, Erschlie\u00dfung und Nutzung biologischer Ressourcen, Prozesse und Systeme, um Produkte, Verfahren und Dienstleistungen in allen wirtschaftlichen Sektoren im Rahmen eines zukunftsf\u00e4higen Wirtschaftssystems bereitzustellen\u201c (<a href=\"https:\/\/www.bmftr.bund.de\/SharedDocs\/Publikationen\/DE\/7\/31576_Nationale_Biooekonomiestrategie_Langfassung.pdf?__blob=publicationFile&amp;v=6#page=12\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">BMBF &amp; BMEL, 2020, S. 10<\/a>). Die nationale Bio\u00f6konomiestrategie strebt mithilfe der Bio\u00f6konomie eine nachhaltige und klimaneutrale Entwicklung an, die sich in einer kreislauforientierten und auf biologischen Ressourcen beruhenden Wirtschaft \u00e4u\u00dfern soll (<a href=\"https:\/\/www.bmftr.bund.de\/SharedDocs\/Publikationen\/DE\/7\/31576_Nationale_Biooekonomiestrategie_Langfassung.pdf?__blob=publicationFile&amp;v=6\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">BMBF &amp; BMEL, 2020<\/a>). In der Bio\u00f6konomiestrategie der Europ\u00e4ischen Kommission (<a href=\"https:\/\/doi.org\/10.2777\/478385\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">2018, S. 4<\/a>) werden biologische Ressourcen und Prozesse in den Mittelpunkt gestellt. Alle Sektoren und Systeme, die auf diese zugreifen, geh\u00f6ren demnach der Bio\u00f6konomie an. Insgesamt wird die Bio\u00f6konomie als M\u00f6glichkeit gesehen, um eine nachhaltige Entwicklung voranzutreiben, durch die nicht erneuerbare Stoffstr\u00f6me ersetzt werden (<a href=\"https:\/\/doi.org\/10.17170\/KOBRA-2024111510679\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Beck-O\u00b4Brien et al., 2024, S. 12<\/a>).<\/p>\n<p>Im Verlauf des Projekts NaGeWe-Bio wurde der Begriff Bio\u00f6konomie aus der Perspektive der vom Plant3-B\u00fcndnis entwickelten Definition betrachtet:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><em>\u201eBio\u00f6konomie beschreibt ein branchen\u00fcbergreifendes Wirtschaftskonzept basierend auf biogenen Ressourcen (land-, forst- und meereswirtschaftliche Erzeugnisse), biologischen Verfahren und biologischem Wissen. Sie umfasst alle Akteure, Relationen und Prozesse der Erzeugung, Verarbeitung, und weitergehenden Inwertsetzung biogener Ressourcen sowie damit verbundener Dienstleistungen, Forschungs- und Entwicklungsaktivit\u00e4ten. Im engeren Sinne strebt Bio\u00f6konomie durch die Anwendung wissensbasierter, innovativer Verfahren eine Steigerung der regionalen Wertsch\u00f6pfung sowie der Nachhaltigkeit der Wirtschaft an. Der damit einhergehende Transformationsprozess wird durch mindestens einen der folgenden Pfade realisiert:<\/em><\/p>\n<ul>\n<li style=\"list-style-type: none;\">\n<ul>\n<li><em>Replacement of fossil raw materials with biogenic, renewable raw materials within the scope of their regenerative capacity.<\/em><\/li>\n<li><em>Cascade and combined use of biogenic raw materials<\/em><\/li>\n<li><em>Increasing biodiversity through diversification of the agricultural, forestry and maritime economy<\/em><\/li>\n<li><em>Ecological compatibility of production by saving resources and minimising emissions<\/em><\/li>\n<li><em>F\u00f6rderung der Regionalentwicklung in \u00f6konomischer, \u00f6kologischer und sozialer Hinsicht&#8220;<\/em><\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p>Der Fokus liegt demnach auf Entwicklungspfaden, die sowohl die nachhaltige Transformation der Wirtschaft als auch die regionale Wertsch\u00f6pfung st\u00e4rken. Im Zuge der NaGeWe-Bio Nachhaltigkeitsbewertung wird genau diese Kombination aus regionalen Wertsch\u00f6pfungsdynamiken und nachhaltiger Entwicklung untersucht. Hierf\u00fcr werden die Prozesse in Bio\u00f6konomieregionen auf Systemebene anhand des Konzepts bio\u00f6konomischer Wertsch\u00f6pfungssysteme betrachtet.<br \/>\nWertsch\u00f6pfungssysteme sind Netzwerke bestehend aus Unternehmen, Organisationen und weiteren Wirtschaftssubjekten, in denen durch Kooperationen und Arbeitsteilung Produkte und Dienstleistungen erstellt werden. Im Kontext der Bio\u00f6konomie umfassen diese Netzwerke Aktivit\u00e4ten, die im Zusammenhang mit dem Anbau biobasierter Rohstoffe und den nachfolgenden Verarbeitungsschritten bis hin zum finalen Produkt und dessen Entsorgung oder Recycling stehen. Hierzu z\u00e4hlen ausdr\u00fccklich auch begleitende Dienstleistungen, Forschungs- und Entwicklungsaktivit\u00e4ten sowie Wechselwirkungen mit staatlichen, politischen und zivilgesellschaftlichen Akteuren.<\/p>\n<p>Um Wertsch\u00f6pfungssysteme als Untersuchungsgegenstand f\u00fcr die Nachhaltigkeitsbewertung nutzen zu k\u00f6nnen, m\u00fcssen sie klar definiert und von ihrer Umgebung abgegrenzt werden. Hierbei er\u00f6ffnet sich die M\u00f6glichkeit, das Wertsch\u00f6pfungssystem auf Grundlage der eigenen Ziele und Fragestellungen einzugrenzen. Daher wird die letztendliche Definition des Wertsch\u00f6pfungssystems nicht an dieser Stelle vorgegeben. Im ersten Moduls des Nachhaltigkeitschecks wird stattdessen in Form von Systemgrenzen erl\u00e4utert, wie das jeweils relevante Wertsch\u00f6pfungssystem f\u00fcr die jeweilige Bio\u00f6konomieregion zugeschnitten werden kann.<\/p>\n<p>Die hier beschriebene Perspektive auf bio\u00f6konomische Wertsch\u00f6pfungssysteme wurde im Dialog mit Akteuren aus der (Bio\u00f6konomie-)Region Vorpommern in Kombination mit einer Literaturrecherche entwickelt. Eine detailliertere Beschreibung der Vorgehensweise erfolgt im Kapitel \u201eDokumentation der Entwicklung des Nachhaltigkeitschecks\u201c.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div class=\"hr-thin\"><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Nachhaltigkeit bio\u00f6konomischer Wertsch\u00f6pfungssysteme ist von Interesse, da sich durch diese Betrachtungsweise Entwicklungsoptionen identifizieren lassen, die Konflikte mit sozialen, \u00f6kologischen und \u00f6konomischen Interessen auf ein Minimum reduzieren. Im Rahmen des Projekts NaGeWe-Bio wurde ein Kriterienkatalog entwickelt und erprobt, der eine Nachhaltigkeitsbewertung bio\u00f6konomischer Wertsch\u00f6pfungssysteme erm\u00f6glicht. Der Katalog ist das Ergebnis einer Recherchephase in der Expert*innen-Interviews gef\u00fchrt wurden und bestehende Ans\u00e4tze f\u00fcr die Nachhaltigkeitsbewertung von Unternehmen und Wertsch\u00f6pfungssystemen ausgewertet wurden. Die identifizierten Nachhaltigkeitskriterien sind den drei Nachhaltigkeitsdimensionen zugeordnet, die in diesem Leitfaden aus der Perspektive bio\u00f6konomischer Wertsch\u00f6pfungssysteme betrachtet werden:<\/p>\n<ul>\n<li>Die <strong>soziale Nachhaltigkeit<\/strong> beschreibt den Beitrag von bio\u00f6konomischen Wertsch\u00f6pfungssystemen zur langfristigen Sicherung und Verbesserung von Lebensqualit\u00e4t und der Einbindung regionaler und gesellschaftlicher Akteure in Entscheidungsprozesse.<\/li>\n<li>Die <strong>\u00f6kologische Nachhaltigkeit<\/strong> beschreibt den Beitrag von bio\u00f6konomischen Wertsch\u00f6pfungssystemen zur langfristigen Erhaltung und Wiederinstandsetzung von \u00d6kosystemen sowie zu einer Nutzung von biologischen Ressourcen im Einklang mit den planetaren Grenzen.<\/li>\n<li>Die <strong>\u00f6konomische Nachhaltigkeit<\/strong> beschreibt den Beitrag von bio\u00f6konomischen Wertsch\u00f6pfungssystemen zur langfristigen Wettbewerbs- und Anpassungsf\u00e4higkeit der hierzugeh\u00f6rigen Gesch\u00e4ftsmodelle.<\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div class=\"hr-thin\"><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Bio\u00f6konomie wird als M\u00f6glichkeit gesehen Wertsch\u00f6pfungsstufen in die meist l\u00e4ndlichen Regionen zu verlagern, in denen die Biomasse angebaut wird. Auf diese Weise k\u00f6nnen sich landwirtschaftlich gepr\u00e4gte Regionen durch die Ansiedlung von Unternehmen des verarbeitenden Gewerbes, Zulieferern und einer begleitenden Dienstleistungs- und Forschungslandschaft zu Bio\u00f6konomieregionen entwickeln. Der zugrundeliegende Prozess ist Treiber eines regionalen Strukturwandels in den betroffenen Regionen.<\/p>\n<p>Ein regionaler Strukturwandel ist gekennzeichnet durch die langfristige Ver\u00e4nderung der Wirtschaftsweise und sozialen Bedingungen in einer Region. Ausl\u00f6ser k\u00f6nnen zum Beispiel Krisen, neue Technologien, demographische Ver\u00e4nderungen oder politische Zielsetzungen sein. In deren Folge ver\u00e4ndert sich die Bedeutung einzelner Branchen, wodurch es zu neuen Besch\u00e4ftigungsstrukturen kommt. Um den regionalen Strukturwandel im Hinblick auf nachhaltige Entwicklungen in Bio\u00f6konomieregionen zu betrachten, wurden drei Querschnittsthemen identifiziert, die in enger Beziehung zu den Nachhaltigkeitsdimensionen stehen, jedoch nicht klar einer der drei Dimensionen zugeordnet werden k\u00f6nnen:<\/p>\n<ul>\n<li>Unter <strong>Regionalit\u00e4t &amp; Strukturwandel<\/strong> werden Aktivit\u00e4ten und Faktoren zusammengefasst, die den Aufbau, die Weiterentwicklung und die Skalierung von bio\u00f6konomischen Wertsch\u00f6pfungsstrukturen in der Region unterst\u00fctzen. Im Fokus der Untersuchung stehen hierbei insbesondere die sozialen Implikationen des regionalen Strukturwandels, die sich aus der r\u00e4umlichen und organisatorischen Verortung von Schaffung, Aneignung und Verteilung der durch die Bio\u00f6konomie entstehenden \u00f6konomischen Werte ergeben.<\/li>\n<li><strong>Resilienz<\/strong> beschreibt die F\u00e4higkeit von Systemen, unter dem Einfluss von Ver\u00e4nderungen wie Krisen oder langfristigen Trends entweder den Status quo aufrechtzuerhalten, sich an die ver\u00e4nderten Bedingungen anzupassen oder transformative Prozesse einzuleiten, sobald das urspr\u00fcngliche System untragbar wird. Im Hinblick auf den regionalen Strukturwandel stellt sich die Frage, ob dieser zu einer gesteigerten Resilienz von Wertsch\u00f6pfungsstrukturen f\u00fchrt. Teilweise ist f\u00fcr die Aufrechterhaltung der Resilienz ein hoher Ressourcenaufwand notwendig, wodurch die neu entstehenden Systeme nicht zwingend nachhaltiger sind. Daher ist f\u00fcr die Untersuchung besonders relevant, inwiefern es zu Zielkonflikten zwischen Resilienz und Nachhaltigkeitszielen kommt.<\/li>\n<li><strong>Governance<\/strong> beschreibt die Mechanismen und Praktiken mit denen Entscheidungen in Netzwerken, Unternehmen und anderen Organisationen sowie den verschiedenen staatlichen Ebenen gesteuert werden. Die Kenntnis dieser Praktiken ist wichtig, um Interessen diverser Gruppen in Entscheidungsprozesse einzubringen und gesellschaftliche Probleme zu l\u00f6sen. Durch die Untersuchung der Governance von Wertsch\u00f6pfungssystemen k\u00f6nnen Machtstrukturen aufgedeckt werden. Auf diese Weise k\u00f6nnen Schl\u00fcsselakteure identifiziert werden, die den regionalen Strukturwandel und den Transformationsprozess hin zur Bio\u00f6konomie gestalten oder blockieren.<\/li>\n<\/ul>","protected":false},"featured_media":0,"parent":56828,"menu_order":1,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"_is_vendor_doc":"0","footnotes":""},"doc_tag":[],"class_list":["post-57135","docs","type-docs","status-publish","hentry","description-off"],"comment_count":0,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/biooekonomie.uni-greifswald.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/docs\/57135","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/biooekonomie.uni-greifswald.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/docs"}],"about":[{"href":"https:\/\/biooekonomie.uni-greifswald.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/docs"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/biooekonomie.uni-greifswald.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=57135"}],"version-history":[{"count":14,"href":"https:\/\/biooekonomie.uni-greifswald.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/docs\/57135\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":57375,"href":"https:\/\/biooekonomie.uni-greifswald.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/docs\/57135\/revisions\/57375"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/biooekonomie.uni-greifswald.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/docs\/56828"}],"next":[{"title":"Dokumentation der Entwicklung des Nachhaltigkeitschecks","link":"https:\/\/biooekonomie.uni-greifswald.de\/en\/docs\/allgemeine-informationen-zum-leitfaden\/dokumentation-der-entwicklung-des-nachhaltigkeitschecks\/","href":"https:\/\/biooekonomie.uni-greifswald.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/docs\/57136"}],"prev":[{"title":"Einleitung & Zielsetzung des Leitfadens","link":"https:\/\/biooekonomie.uni-greifswald.de\/en\/docs\/allgemeine-informationen-zum-leitfaden\/einleitung-zielsetzung-des-leitfadens\/","href":"https:\/\/biooekonomie.uni-greifswald.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/docs\/56829"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/biooekonomie.uni-greifswald.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=57135"}],"wp:term":[{"taxonomy":"doc_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/biooekonomie.uni-greifswald.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/doc_tag?post=57135"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}