Innerhalb des ersten Schritts werden zunächst der Schwerpunkt und die Ausrichtung der Analyse als Grundlage für das weitere Vorgehen festgelegt. Die Nachhaltigkeit des Wertschöpfungssystems kann hierauf aufbauend anhand einer klaren Fragestellung und Analyserichtung untersucht werden. So wird vermieden, dass die Analyse ohne konkretes Ziel erfolgt.
Der analytische Fokus richtet sich nach den Zielen der Anwender*innen. Im Folgenden wird erklärt, wie dieser festgelegt wird. Da es sich um einen Nachhaltigkeitscheck für Wertschöpfungssysteme der Bioökonomie handelt, muss sich der Fokus auf eine Zielgröße beziehen, die Teil dieser Wertschöpfungssysteme ist. Die Folgenden Zielgrößen würden sich beispielsweise für die Untersuchung eignen:
- Eine bestimmte Biomasseart (z.B. Winterweizen) oder eine Gruppe aus mehreren Biomassearten (z.B. Getreide)
- Ein bestimmtes Nebenprodukt (z.B. Biertreber, Hackschnitzel aus Sägewerken) oder eine Gruppe aus mehreren Nebenprodukten (z.B. Nebenprodukte der Brauerei, Nebenprodukte von Sägewerken)
- Ein bestimmtes Endprodukt (z.B. Industriezucker, Einblasdämmung) oder eine Gruppe aus mehreren Endprodukten (z.B. Süßungsmittel, Dämmmaterialien)
- Ein bestimmter Wertschöpfungsschritt (z.B. Zellstoffwerke, Biogasanalagen, Anbau einer bestimmten Biomasse)
- Ein bestimmtes Verfahren oder eine bestimmte Technologie (z.B. Bioraffinerie, Fermentation)
Das Spektrum an möglichen Zielgrößen ist deutlich umfangreicher. Diese Liste soll ausschließlich als Orientierung für die Formulierung einer eigenen Zielgröße dienen.
Auf Basis der gewählten Zielgröße wird anschließend der analytische Fokus in Form einer Fragestellung formuliert.
Beispiel:
Zielgröße: Verarbeitungsformen von Rohrkolben
Analytischer Fokus: Wie schneiden die verschiedenen Verarbeitungsformen von Rohrkolben und die damit verbundenen Wertschöpfungssysteme im Hinblick auf ihre Nachhaltigkeitswirkung in der Untersuchungsregion ab?
Der analytische Fokus sollte so formuliert sein, dass er verschiedene Entwicklungswege innerhalb des Wertschöpfungssystems ermöglicht. Alle möglichen Wege zusammen werden im Folgenden als Entwicklungsspielraum bezeichnet. Ziel der weiteren Analyse ist es, diese unterschiedlichen Wege miteinander zu vergleichen und die nachhaltigste Option in Bezug auf die gewählte Zielgröße zu bestimmen. Der Entwicklungsspielraum ist daher ein zentrales und wiederkehrendes Element. Er ist Bestandteil aller Fragestellungen im Laufe der Datenhebung, die sich auf die Erhebung von Nachhaltigkeitsinformationen beziehen (Schritt 4.2).
Die Zielgröße und der analytische Fokus sollten möglichst klar und präzise formuliert sein und gleichzeitig ausreichend Spielraum für unterschiedliche Systemvarianten lassen. Wenn es nicht möglich ist, die eigenen Untersuchungsziele auf eine einzige Zielgröße und eine Fragestellung zu beschränken, sollte die Analyse in zwei getrennten Durchgängen mit unterschiedlichen Zielgrößen und Fragestellungen durchgeführt werden.
Zusammenfassung der Aktivitäten zum Erfüllen von Schritt 1:
- Festlegung und Formulierung einer Zielgröße
- Festlegung und Formulierung des analytischen Fokus in Form einer Fragestellung
