Die Bewertung der Nachhaltigkeit basiert auf einer im Projektverlauf entwickelten Indikatorik. Die Entwicklung der Indikatorik ist im Kapitel „Dokumentation der Entwicklung des Nachhaltigkeitschecks“ beschrieben. Definitionen zu den einzelnen Nachhaltigkeitsdimensionen sind im Kapitel „Nachhaltigkeit von Wertschöpfungssysteme in der Bioökonomie“ zu finden.
Die erhobenen Daten aus dem zweiten Modul werden im Laufe der Auswertung dem Indikatoren-Set zugeordnet. Hierbei wird jeder Indikator mit Informationen verknüpft, die aus verschiedenen Fragestellungen, Methoden und Datenquellen der Erhebungsphase stammen. Sobald die Zuordnung erfolgt ist, sollen die Informationen verdichtetet werden, um die zentralen Erkenntnisse zur Ausprägung der Nachhaltigkeit je Indikator zusammenzufassen.
Für die eigentliche Bewertung der Nachhaltigkeit des regionalen bioökonomischen Wertschöpfungssystems soll die Ausprägung der Nachhaltigkeit für jeden Indikator anhand einer festgelegten Bewertungsskala beurteilt werden. Hierbei wird bewertet, inwiefern Nachhaltigkeitsinformationen im Sinne der in Schritt 2.6 festgelegten Entwicklungszielen eines nachhaltigen regionalen Strukturwandels ausgeprägt sind. Bewertet werden die zuvor verdichteten Nachhaltigkeitsinformationen pro Indikator.
Die Bewertung soll vorzugsweise durch mindestens drei übergeordnete Expert*innen aus den Bereichen Wissenschaft, Regionalentwicklung und Verwaltung erfolgen. Durch die Einbindung unterschiedlicher und möglichst unabhängiger Perspektiven auf das Wertschöpfungssystem soll die Objektivität und Aussagekraft der Bewertung erhöht werden. Die Expert*innen sollen die verdichteten Nachhaltigkeitsinformationen für jeden Indikator unabhängig voneinander sichten und anschließend deren Ausprägung anhand der Entwicklungsziele aus dem Schritt 2.6 entlang der folgenden Bewertungsskala einordnen:
| Wert | Erreichung der Entwicklungsziele | Nachhaltigkeitsbewertung |
|---|---|---|
| 10 | vollkommen | Die Nachhaltigkeit wird in allen Punkten umfassend erfüllt. Es bestehen keine wesentlichen Defizite; Optimierungen sind allenfalls marginal. |
| 9 | nahezu vollkommen | Die Nachhaltigkeit ist in allen Punkten sehr hoch. Es bestehen lediglich geringfügige Verbesserungspotenziale ohne grundlegenden Handlungsbedarf. |
| 8 | sehr gut | Die Nachhaltigkeit ist in den meisten Punkten sehr hoch. Einzelne Optimierungen können die Wirkung weiter verbessern. |
| 7 | gut | Die Nachhaltigkeit ist überwiegend hoch. Es bestehen jedoch einige relevante Verbesserungspotenziale. |
| 6 | fortgeschritten | Die Nachhaltigkeit ist bereits deutlich ausgeprägt. Es bestehen jedoch in mehreren Bereichen Notwendigkeiten für Verbesserungen. |
| 5 | mäßig | Positiv und negativ ausgeprägte Nachhaltigkeitsinformationen halten sich etwa die Waage. Maßnahmen sind erforderlich, um eine langfristige nachhaltige Entwicklung zu gewährleisten. |
| 4 | eingeschränkt | Die Nachhaltigkeit ist nur in Teilbereichen erfüllt. Es besteht erheblicher Verbesserungsbedarf. |
| 3 | rückständig | Es bestehen erhebliche Nachhaltigkeitsdefizite. Umfangreiche Maßnahmen sind notwendig, um eine positive Entwicklung einzuleiten. |
| 2 | stark rückständig | Die Nachhaltigkeit ist nur in sehr geringem Maße ausgeprägt. Die Defizite sind gravierend und schwer zu beheben. |
| 1 | kritisch rückständig | Es bestehen massive strukturelle Defizite und erhebliche Rückstände. Eine nachhaltige Entwicklung ist derzeit kaum erkennbar und Verbesserungen sind nur mit außerordentlich hohem Aufwand möglich. |
Die Identifikation und Auswahl der Gutachter*innen soll auf Basis der bereits gewonnenen Erkenntnisse über die Struktur des regionalen bioökonomischen Wertschöpfungssystems erfolgen. Dabei eignen sich bereits bestehende Gremien, Lenkungskreise oder vergleichbare Strukturen in der Region. Diese können durch übergeordnete Personen aus der Regionalentwicklung und Wissenschaft ergänzt werden. Zur Einbindung externer Perspektiven sollten hierbei gezielt Fachpersonen aus anderen Regionen ausgewählt werden, um eine unabhängige Außenperspektive auf das betrachtete Wertschöpfungssystem einzubringen. Insgesamt sollte auf eine ausgewogene Zusammensetzung geachtet werden, die sowohl regionale Verankerung als auch überregionale Perspektiven berücksichtigt und potenzielle Interessenkonflikte minimiert.
Alternativ kann die Bewertung auch als Selbstbewertung durch die bearbeitende Person beziehungsweise die anwendende Organisation durchgeführt werden. Dabei erfolgt die Bewertung ebenfalls auf Grundlage der verdichteten Nachhaltigkeitsinformationen und entlang derselben Bewertungsskala. Im Vergleich zur externen Expertenbewertung kann die Selbstbewertung jedoch stärker von subjektiven Einschätzungen geprägt sein und eine geringere Perspektivenvielfalt aufweisen. Sie eignet sich daher insbesondere für erste Einschätzungen, interne Analysen oder regelmäßige Fortschrittskontrollen. Die Bewertung durch mehrere unabhängige Gutachter*innen kann die Legitimität und Aussagekraft der Ergebnisse deutlich erhöhen.
Im Anschluss an die Bewertung können die einzelnen Bewertungsergebnisse zusammengeführt werden. Hierfür eignet sich der Durschnitt der Einzelbewertungen (siehe Bewertungsskala) pro Indikator. Bei Abweichungen von mehr als zwei Bewertungspunkten zwischen den verschiedenen Beurteilungen, sollte die Beurteilung unter Einbeziehung aller bewertenden Personen diskutiert und überarbeitet werden. Als Ergebnis liegt für jeden Indikator eine Bewertung auf einer Skala von eins bis zehn vor. Diese Ergebnisse können pro Nachhaltigkeitsdimension bzw. Querschnittsthema zu einem Dimensionsdurchschnitt zusammengerechnet werden. In einem letzten Schritt kann auf Basis der berechneten Durchschnittwerte der Dimensionen ein dimensionsübergreifenden Durchschnittwert berechnet werden, welcher die Bewertung der Nachhaltigkeit für das gesamte untersuchte Wertschöpfungssystem zusammenfasst.
Als Bewertungsergebnis liegt somit jeweils ein Wert auf einer Skala von eins bis zehn für die folgenden Ebenen vor:
- Ebene der Nachhaltigkeitsindikatoren (Durchschnitt aller Einzelbewertungen)
- Ebene der Nachhaltigkeitsdimensionen und Querschnittsthemen (Durchschnitt aller Indikatoren der jeweiligen Dimension)
- dimensionsübergreifender Gesamtwert für die Nachhaltigkeit des Wertschöpfungssystems (Durchschnitt aller sechs Dimensionen)
Unter Berücksichtigung der Bewertungsergebnisse und der verdichteten Nachhaltigkeitsinformationen sollen letztendlich Kernaussagen entlang der Nachhaltigkeitsdimensionen und Querschnittsthemen hergeleitet werden. Diese Kernaussagen sollen den aktuellen Zustand des Wertschöpfungssystems kritisch einordnen und auf Grundlage des analytischen Fokus Handlungsempfehlungen für eine Steigerung der Nachhaltigkeit innerhalb des Entwicklungsspielraums aufzeigen.
Zusammenfassung der Auswertungsschritte:
- Synthese: Zusammenführen der erhobenen Informationen aus unterschiedlichen Fragestellungen, Methoden und Datenquellen mithilfe des Indikatoren-Sets
- Kondensierung: Verdichtung der Informationen je Indikator
- Bewertung: Beurteilung der Nachhaltigkeit je Indikator entlang der Bewertungsskala durch mehrere Personen
- Herleitung von Kernaussagen: Zusammenfassung der aktuellen Nachhaltigkeit des Wertschöpfungssystems und Herleitung von Handlungsempfehlungen für einen nachhaltigen regionalen Strukturwandel
Das zu verwendende Indikatoren-Set setzt sich aus den Nachhaltigkeitsdimensionen und Querschnittsthemen zusammen und wird im Folgenden beschrieben.

Abbildung: Bewertungsdimensionen für die Nachhaltigkeit bioökonomischer Wertschöpfungssysteme
